Rezension zu DEN MUND VOLL UNGESAGTER DINGE von Anne Freytag
FAKTEN ZUM BUCH
Titel: Den Mund Voll Ungesagter Dinge
Autor: Anne Freytag
Verlag: Heyne Fliegt
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 399
Erscheinungsdatum: 2017
Buchart: Broschiert
Genre: Jugend/Young Adult Roman, Liebesgeschichte, LGBTQ*
Autor: Anne Freytag
Verlag: Heyne Fliegt
Preis: 14,99€
Seitenzahl: 399
Erscheinungsdatum: 2017
Buchart: Broschiert
Genre: Jugend/Young Adult Roman, Liebesgeschichte, LGBTQ*
KLAPPENTEXT
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| Quelle: Amazon |
Wenn Sophie es sich aussuchen könnte, wäre ihr Leben simpel. Aber das ist es nicht. Und das war es auch nie. Das fängt damit an, dass ihre Mutter sie direkt nach der Geburt im Stich gelassen hat. Und endet damit, dass Sophies Vater plötzlich beschließt, mit seiner Tochter zu seiner Freundin nach München zu ziehen. Alle sind glücklich. Bis auf Sophie.
Was hat es bloß mit dieser verdammten Liebe auf sich? Sophie selbst war noch nie verliebt. Klar gab es Jungs, einsam ist sie trotzdem. Bis sie in der neuen Stadt auf Alex trifft. Das Nachbarsmädchen mit der kleinen Lücke zwischen den Zähnen, den grünen Augen und dem ansteckenden Lachen. Zum ersten Mal lässt sich Sophie voll und ganz auf einen anderen Menschen ein. Und plötzlich ist das Leben neu und aufregend. Bis ein Kuss alles verändert...
MEINE MEINUNG
Obwohl sich dieses Buch sehr schnell lesen ließ und bei mir auch stets Neugierde da war und ich wissen wollte, wie es weitergeht, war da dennoch irgendwie eine Art Barriere zwischen der Protagonistin Sophie und mir und dadurch auch zwischen mir und dem ganzen Buch.
Doch erstmal zur Gestaltung des Buches.
Ich persönlich bin etwas zwiegespalten was das Cover angeht - ich mag zwar das knallige Rot und die leicht regenbogenhafte Schriftfarben des Titels und auch irgendwie die Schriftart und wie es so gestaltet ist dass es aussieht als würde es aus einem Megafon herausgerufen werden, aber irgendwie ist es mir auch etwas zu sehr auf Jugendbuch getrimmt. Irgendwie hat es etwas kindliches was mich als 21 Jährige ein bisschen abstößt.
Positiver überrascht war ich dagegen davon, dass, wenn man das Buch öffnet, sich auf der Rückseite des Covers Zeichnungen von der Hauptfigur Sophie befinden, die auch innerhalb der Geschichte nochmal eine Rolle spielen, weshalb ich ganz oft dahin zurückgeblättert habe. Solche kleinen Extras in Büchern gefallen mir immer sehr. Auch wenn man die Rückseite des Buches ausklappt, erhält man etwas - nämlich zwei Songlisten mit all den Liedern die im Buch erwähnt werden, was ich auch ganz toll fand. Zwar habe ich so im Gefühl, dass die Lieder nicht so wirklich meinem Musikgeschmack entsprechen, aber ich finde es dennoch eine schöne Geste. Außerdem hat das viele Reden über Musik mit der Nennung von echten Songs die Figuren im Buch sehr viel realer für mich gemacht.
Über jedem Kapitel prangt außerdem auch noch eine kleine Zeichnung, was ich erneut als nettes Extra empfunden habe.


Wenn wir schon beim Thema Kapitel sind, möchte ich hier auch hervorheben, dass ich die Kapitellängen in dem Buch extrem toll fand. Kurze Kapitel sind einfach der Beste Freund für Schnelllesen meiner Meinung nach. Ich finde es jedes Mal wieder faszinierend wie sehr nie-enden-wollende Kapitel meine Lesegeschwindigkeit verlangsamen und wie viel schneller ich ein Buch weglese wenn die Kapitel kurz sind. Mir hat es außerdem gut gefallen, dass jedes Kapitel seinen eigenen Titel hatte, da das zusätzlich zu den Zeichnungen immer dazu beigetragen hat, mich neugierig auf das nächste Kapitel zu machen und mir schonmal auszumalen, was wohl darin passieren wird.
Mein Verhältnis zur Protagonistin Sophie glich in etwa einer Achterbahnfahrt - manchmal fühlte ich mich von ihr sehr verstanden und ihr dementsprechend nahe, doch manchmal konnte ich ihre Gedankengänge und Handlungen absolut nicht nachvollziehen wodurch sich eine Distanz zwischen uns aufgebaut hat.
Zu Beginn des Romans war sie mit solch einer Wut und einem Trotz erfüllt, der mir einfach viel zu pubertär für ein Mädchen von 17, fast 18 Jahren vorkam. Sie war so negativ eingestellt, vollkommen undankbar und alles-schlechtredend und nichts-wertschätzend. Und ja, ich kann irgendwo nachvollziehen dass die verändernden Umstände des Umzugs aus der Heimat in ihr eine erneute Pubertät ausgelöst haben, aber trotzdem empfand ich sie als äußerst anstrengend.
Zum Glück hat es dann nicht lange gedauert, dass nach und nach immer mehr Positives in ihr Leben geströmt ist und damit auch ihre Stimmung etwas besänftigt hat - auch wenn ich vor allem ihren Umgang mit Lena dennoch das ganze Buch hindurch viel zu "undankbare Göre"nhaft fand. Vor allem da ständig so viel Wert darauf gelegt wurde, zu betonen wie viel Mühe sich Lena gibt, empfand ich Sophies Verhalten ihr gegenüber nochmal umso unfairer und unverständlicher. Lena dagegen habe ich sofort ins Herz geschlossen und fand ihren Charakter wirklich großartig.
Zu Beginn des Buches hat mich auch irgendwie das ganze Deutsche im Buch etwas aus der Bahn geworfen und kam mir eher befremdlich vor. Ich lese momentan hauptsächlich englische Bücher und lese diese auch lieber als deutsche Bücher da ich die englische Sprache einfach so viel schöner als die deutsche finde. Ich habe mir vorgenommen, nur noch deutsche Bücher von deutschen Autoren zu lesen und englische und französische Bücher im Original zu lesen. Aber es war schon irgendwie komisch, ein Buch zu lesen, dass von seinem Schauplatz her so viel näher bei meiner eigenen Realität spielt. Auch wenn ich es persönlich als in-Bayern-Lebende etwas unnötig fand, dass anfangs so negativ über Bayern gesprochen wurde, schätze ich, dass das wohl normal ist für jemanden der aus dem Norden Deutschlands kommt. Es war einfach seltsam zu lesen, dass die eine Romanfigur mal eben in Schwabing einkaufen geht, wenn man selbst dazu eine Verbindung hat. Oder wenn sie an den Starnberger See fahren an dem ich auch schon war. Das ist alles auf keinen Fall negativ, nur eben ziemlich ungewohnt für mich, denn dadurch wurde mir bewusst, dass zu den meisten anderen Büchern die ich lese, einfach schonmal eine ganz andere Distanz zwischen mir und den Figuren vorgegeben ist, die hierbei einfach wegfällt. Aber es hat mir auch gezeigt, dass es im Endeffekt bei der Identifikation auch gar nicht darum geht, ob die Figuren im selben Bundesland wohnen wie man selbst, sondern eher darum ob sie so ticken wie man selbst.
Was mir am Befremdlichsten vorkam, war der Spitzname mit dem Sophies Vater sie gerufen hat: "Motte". Ich persönlich fand das extrem "cringy" zu lesen, da ich mir auch nicht erklären konnte wie man darauf kommt, dieses Wort als Spitznamen zu verwenden und dies auch nicht im Buch erklärt wurde.
Der andere, für viele sicherlich problematischere, Spitzname im Buch war "Flittchen". In vielen anderen Rezensionen wird das sehr kritisch betrachtet. Ich persönlich muss sagen, dass ich mich während des Lesens nicht so sehr daran gestört hatte und den Spitznamen als weniger befremdlich als "Motte" empfand. Ich finde Spitznamen generell unnötig und finde, man hätte auch diesen getrost weglassen können.
Der andere, für viele sicherlich problematischere, Spitzname im Buch war "Flittchen". In vielen anderen Rezensionen wird das sehr kritisch betrachtet. Ich persönlich muss sagen, dass ich mich während des Lesens nicht so sehr daran gestört hatte und den Spitznamen als weniger befremdlich als "Motte" empfand. Ich finde Spitznamen generell unnötig und finde, man hätte auch diesen getrost weglassen können.
Und wenn wir schon bei Namen sind muss ich auch gestehen, dass ich den Namen "Sophie" nie so wirklich mit dem Charakter der Hauptfigur in Einklang bringen konnte. Irgendwie hat er für mich gar nicht zu ihr gepasst. Das war wohl auch mit ein Grund, warum es mir nicht so viel ausgemacht hat, dass Lukas sie "Flittchen" genannt hat.
Ich habe einfach unfassbar viele Gedanken zu dem Buch und habe selbst etwas Angst, dass ich nach der Rezension den Mund noch voll ungesagter Dinge haben werde, weil ich gar nicht alles einbringen kann was ich möchte.
Zum einen fand ich den Ausschnitt aus Sophies Leben bei dem man sie in dem Buch begleitet ganz schön gewählt, da es vor, während, und nach dem Abitur spielt und auch das Abitur selbst mit hineinverarbeitet wurde. Da mein Bruder gerade selbst mitten in seinem Abitur steckt, und da die Abiturzeit wohl jedem ganz gut im Gedächtnis bleiben wird, hat mir das gut gefallen. Das war auch wieder etwas, das in englischen Büchern so nie vorkommt, da dort einfach ein anderes Schulsystem herrscht.
Was ich unglaublich toll fand und was für mich die meiste Identifikationsgrundlage geschaffen hat, waren die intensiven Auseinandersetzungen mit zwei speziellen Filmen, nämlich einmal "Jung und schön" und zum anderen "Blau ist eine warme Farbe". Da ich mich selbst schon ausführlich mit beiden Filmen auseinandergesetzt habe und dadurch selbst eine starke Bindung zu ihnen habe, hat die Rolle, die die beiden Filme in der Geschichte gespielt haben dem Buch viele Pluspunkte bei mir eingehandelt. Auch wenn die Sophie die ich mir vorgestellt habe, nicht so aussieht wie die Hauptfigur aus "Jung und schön". Aber vor allem die detaillierte Beschreibung des Filmschauens von "Blau ist eine warme Farbe" fand ich unglaublich gut und ist wohl meine Lieblingsszene im ganzen Buch, da ich mich so sehr in diese Lage versetzen konnte und extrem gut spüren konnte, wie unangenehm und geladen die Stimmung da gerade sein muss. Das Buch hat mir auch total Lust gemacht, den Film bald mal wieder anzusehen. Natürlich finde ich es auch erwähnenswert, dass Harry Potter, wenn auch nur kurz, vorkam. Wobei ich da ja definitiv Alex Meinung bin, was das beste Harry Potter Buch betrifft...
Das Buch hatte mit seinen fast 400 Seiten wirklich eine ganze Menge zu bieten und vor allem eine Vielzahl an verschiedenen Charakteren. Ich fand vor allem die Freundschaft zwischen Lukas und Sophie sehr interessant und schön und habe die Szenen zwischen den beiden ziemlich gerne gelesen. Lukas kam mir irgendwie sehr erfrischend vor und ich mochte die intime aber platonische Beziehung zwischen den beiden. (Auch wenn seine "typisch-männlichen" Fragen zu lesbischem Sex unnötig waren und den Charakter platter gemacht haben als er es verdient hat. Andererseits denke ich, dass sich nunmal viele Leser die gleiche Frage wie er stellen, und deshalb war es wohl nicht ganz verkehrt, dass die Autorin das mit reingenommen hat.)
Wie bereits schon erwähnt, konnte ich einige Entscheidungen und Handlungen von Sophie absolut nicht nachvollziehen. Sie sträubt sich gegen so tolle Möglichkeiten, für die andere sonst was geben würden und das wegen Gründen die einem irgendwie unbedacht erscheinen. (Zimmer, San Francisco)
Auch wenn ich Alex von vornherein gleich viel toller als Sophie fand und sie generell als Charakter wunderbar optimistisch war, vor allem im Vergleich zu Sophie, war da auch zu ihr irgendwo eine Distanz bei mir da.
Faszinierend fand ich dann aber, dass ich das Gefühl hatte, dass die Autorin das irgendwie bemerkt hat - dass einem als Leser vor allem Sophie irgendwie nicht 100% sympathisch sein kann - und dann die Unterhaltung zwischen Sophie und Alex eingebracht hat, in der sie sich darüber unterhalten, ob sie gute Buchcharaktere wären. Das kam mir ziemlich meta vor, was ich irgendwie mochte. Mir ist auch im Kopf geblieben, dass die beiden selbst finden, dass sie keine guten Buchcharaktere abgeben würden da sie zu sehr anecken und diese Aussage fand ich eigentlich ziemlich sympathisch. Und ich fand es auch mutig von Anne Freytag, dass sie eine Hauptfigur geschrieben hat, die Sachen macht und Entscheidungen trifft, die man als Leser nicht gutheißt, einfach weil sie sie fehlerhaft schreiben wollte. Ich mochte die Einstellung dahinter und dennoch hat es mich irgendwie davon abgehalten, mich vollkommen im Buch zu verlieren. Ich habe zum Beispiel keinerlei Emotion empfunden während der emotionaleren Szenen zwischen Sophie und Alex und auch keinerlei Kribbeln während ihren erotischeren Szenen. Das habe ich definitiv vermisst. Generell enthielt das Buch für meinen Geschmack zu viel Sex mit fehlender Erotik. Ich fand die vielen Sexszenen wirkten etwas gehäuft und irgendwann erweckten sie auch den Eindruck, dass es nur um Sex ginge. Das war mir etwas zu oberflächlich.
Die emotionalste Szene für mich war die erste offene und tiefgehende Unterhaltung zwischen Lena und Sophie, die mich wirklich berührt hat. Und die erotischste Szene war für mich das Anschauen von "Blau ist eine warme Farbe", da ich das extrem realistisch geschrieben fand.
Da Sophie jedoch auch noch bemerkte, dass Emma aus "Blau ist eine warme Farbe" sie an Alex erinnerte, konnte man als Leser der den Film gesehen hat nicht anders als selbst weitere Parallelen zwischen dem Film und dem Buch zu ziehen. Bei mir ist es schon etwas her, dass ich den Film zuletzt gesehen habe, aber es wirkte schon so, als hätte die Autorin sich stark daran orientiert. Vor allem was die vielen Sexszenen betrifft.
Da Sophie jedoch auch noch bemerkte, dass Emma aus "Blau ist eine warme Farbe" sie an Alex erinnerte, konnte man als Leser der den Film gesehen hat nicht anders als selbst weitere Parallelen zwischen dem Film und dem Buch zu ziehen. Bei mir ist es schon etwas her, dass ich den Film zuletzt gesehen habe, aber es wirkte schon so, als hätte die Autorin sich stark daran orientiert. Vor allem was die vielen Sexszenen betrifft.
Ich mochte es, dass vor allem die Charaktere Lena und Alex mehr ausgebaut wurden und vielschichtiger und tiefgründiger wirkten als man es als Leser erstmal angenommen hatte. Man muss wirklich sagen, dass es der Autorin gelungen ist, vor allem Sophie als Charakter mit vielen Dimensionen zu schreiben. Sie wirkt wie eine reale Person die man kennt aber bei der man, bzw. ich mir nicht wirklich sicher bin ob ich sie nun mag oder nicht.
Dennoch muss ich sagen, dass ich definitiv das Gefühl hatte, dass Sophie innerhalb des Romans eine Entwicklung durchgemacht hat und sehr viel hingefallen und gewachsen ist. Und je mehr sie sich selbst geöffnet und kennengelernt hat, desto sympathischer fand ich sie auch.
Ganz herzerwärmend fand ich die Darstellung der beiden Stiefbrüder - vor allem von Leon. Leon wurde wirklich so zuckersüß und niedlich beschrieben, dass ich ihn so sehr in mein Herz geschlossen habe, dass ich wirklich ein wenig traurig war, dass er in der zweiten Hälfte des Buches eigentlich gar nicht mehr vorkam. Er hat vor allem den Anfang in das Buch sehr positiv bereichert - sowohl für Sophie als auch für einen als Leser.
Das Ende kam mir irgendwie viel zu abrupt. Das Buch hat sich sehr viel Zeit für eigentlich alles genommen und da hätte es sich auch mehr Zeit für die Lösung des Konflikts am Ende nehmen können. Irgendwie war mir das alles viel zu schnell geklärt, zu einfach und es kam mir vor, als wäre die Deadline für das Buch plötzlich dagewesen und die Autorin hätte dann einfach noch schnell das allerletzte Kapitel dazugeschrieben. Da hätte ein Kapitel als sanfterer Übergang irgendwie ganz gut getan. Ich finde man kann nicht das ganze Buch hindurch alles durchanalysieren und sich viel Zeit für alles nehmen und dann am Ende schnell, schnell machen. Außerdem gab es zwei Kapitel vor dem Ende eine sehr schöne Unterhaltung, die meiner Meinung nach ein besseres, mutigeres und unverschönteres Ende für das Buch abgegeben hätte.
Die meisten Leser des Buches wissen sicher von Anfang an, dass es sich hierbei um die Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen dreht. Und das tat ich auch. Dann war ich aber recht überrascht darüber, dass sich das Buch doch sehr viel Zeit genommen hat, bevor es damit überhaupt erstmal seinen Lauf nahm. Aber ich mochte den langsamen Aufbau eigentlich ganz gerne. Ich finde es nur immer wieder in Büchern, Serien und Filmen so frustrierend, wenn es außer hetero und lesbisch/schwul keine andere Sexualität zu geben scheint. Jedes Mal verdrehe ich entnervt die Augen, wenn sich mal wieder ein Charakter fragt, ob er/sie nun homosexuell ist weil er/sie eine Person des gleichen Geschlechts geküsst hat, aber wie das sein kann, wenn er/sie doch auch schon Personen des anderen Geschlechts geküsst hat und das auch mochte. ... Das trägt alles jedes Mal dazu bei um bei den Lesern/Zuschauern ebenfalls die Annahme zu bestärken, dass man entweder hetero- oder homosexuell sein kann und das es absolut gar nichts dazwischen gibt. Das Wort bisexuell scheint nach wie vor absolut keine Option zu sein. (Wobei es noch viel mehr Sexualitäten dazwischen gibt..) Ich fände es einfach schön, wenn in diese "Bin ich lesbisch/schwul? Oder doch hetero?" Überlegungen auch mal die Überlegung "Hm, vielleicht bin ich ja bisexuell?" miteingebracht werden würde. Einfach nur mal erwähnen, dass es das ja auch gäbe. Niemand muss sich irgendein Label geben, aber es ist dennoch wichtig, dass man Aufmerksamkeit dafür schafft, dass es wirklich sehr viele verschiedene Label gibt. Denn viele fühlen sich nunmal doch besser, wenn sie wissen, dass das, was sie empfinden auch anderen so geht, und dass sie damit nicht allein sind und dass es mehr Möglichkeiten als hetero- und homosexuell gibt.
FAZIT
Im Großen und Ganzen habe ich dieses Buch wirklich sehr gerne gelesen. Ich wollte die ganze Zeit immer weiter lesen und habe es auch sehr schnell durchgelesen. Der Schreibstil von Anne Freytag hat mir sehr gut gefallen und ich habe jetzt definitiv auch Interesse daran, ihre anderen Bücher zu lesen. Ich denke, dass mir das Buch noch einige Zeit im Kopf bleiben wird, was vor allem an der Ausarbeitung der Hauptfigur liegt, die mit ihren Ecken und Kanten einige Male bei mir angeeckt ist, was irgendwie dazu geführt hat, dass ich eine Distanz zu ihr aufgebaut habe, die mich davon abgehalten hat, dass mich das Buch tiefer berühren konnte und dass ich mich damit identifizieren konnte. Manche Entscheidungen und Handlungen der Hauptfigur konnte ich einfach überhaupt nicht nachvollziehen und mir ging, als die Romanze zwischen den beiden Mädchen dann mal angefangen hat, irgendwie alles viel zu schnell. Dennoch hatte das Buch sehr vieles was mir sehr gefallen hat, wie die intensive Beschäftigung mit den Filmen "Jung und schön" und vor allem "Blau ist eine warme Farbe", die vielen interessanten Figuren um Sophie und Alex herum und die Identifikationsmomente bezogen auf München und das Abitur. Auch wenn ich einiges zu bemängeln habe, überwiegt am Ende dennoch der Fakt, dass das Buch mir sehr viel geboten hat, eine tolle, unterhaltende Geschichte mit einer queeren Liebesgeschichte und sehr vielschichtig ausgearbeiteten Charakteren die nicht jedem gefallen wollen.

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