Rezension zu FLUGANGST 7A von Sebastian Fitzek

 
   


 

FAKTEN ZUM BUCH

Titel: Flugangst 7A
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Droemer
Preis: 22,99€
Seitenzahl: 380
Genre: Psychothriller
Buchart: Gebunden
Erscheinungsdatum: Oktober 2017
 
 
 
 

KLAPPENTEXT

 
   


 
 
 
 
 

VORAB: Warum nochmal Fitzek nach letzter Enttäuschung?

Wie aufmerksame Leser meines Blogs vielleicht wissen, habe ich vor diesem Fitzek erst ein anderes Buch von ihm gelesen, welches auch gleichzeitig mein allererster Psychothriller überhaupt war, nämlich "Das Paket". (Meine Rezension findet ihr hier.) Da mir dieses Buch nicht gefallen hat, hatte ich erstmal wieder mit dem Genre Thriller abgeschlossen.
Doch dann habe ich Sebastian Fitzek auf der Frankfurter Buchmesse bei seiner Lesung gesehen und war sehr begeistert von seiner Art zu Reden. Er hat mir dabei sehr viel Lust auf sein neues Buch, Flugangst 7A, gemacht und deshalb wollte ich dies unbedingt lesen.
Des Weiteren hat mich der Titel und damit auch der Schauplatz des Thrillers sehr angesprochen, da ich schon sehr oft geflogen bin, und daher sehr interessiert an der Thematik war.
 
 




MEINE MEINUNG

(spoilerfrei; (am Ende der Rezension: Spoilerbereich -  wird vorher gekennzeichnet)

 
Optik
 
Im Gegensatz zu "Das Paket" besticht dieser Fitzek nicht unbedingt durch sein Cover, meiner Meinung nach. Man sieht zwar, dass eine Flugzeugtür abgebildet sein soll, jedoch hätte man das dennoch etwas anschaulicher lösen können. Dennoch finde ich es toll, dass das Cover im Fenster des Flugzeugs ein bewegtes Bild hat, das sich verändert, wenn man das Buch hin und her kippt. Das ist ein kleines Detail, das mir sehr gut gefällt. Vor allem bei 23€ für ein Buch, finde ich, dass man sich beim Cover ruhig Mühe geben kann, damit das Buch nach dem Lesen auch im Regal noch was hermacht.
 
 

Erster Eindruck zu Schauplatz und Charakteren

Der Schauplatz in einem Flugzeug war ja sehr ausschlaggebend für meine Entscheidung, das Buch zu lesen, und ich fand auch während des Lesens stets, dass das ein sehr gut gewählter Ort war, da die meisten Menschen schonmal in einem Flugzeug waren, und daher die Räumlichkeiten darin gut vor Augen haben, und so sehr leicht mit den Charaktern mitfühlen können.
Doch auch die Charaktere gefielen mir sehr gut, da sie alle ihre Eigenarten hatten, und man einiges an Ticks und Macken an ihnen erfuhr, die sie sehr menschlich machten und eine große Identifikationsfläche boten.
Wie der Titel schon vorwegnimmt, wird in diesem Roman das Thema Flugangst behandelt, was ich sehr interessant fand. Die Flugangst des betroffenen Charakters wird sehr ausführlich beschrieben, wodurch er sehr sympathisch erscheint und man sich gut in ihn hineinversetzen kann, auch wenn man selbst nicht unter Flugangst leidet.
Das Buch liefert auch über die Charaktere und den Ort hinaus viel Identifikationsfläche, zum Beispiel wenn über einen Besuch bei Ikea geschrieben wird, bei der ich selbst erst vor kurzem war, oder wenn ein Flugbegleiter ähnlich beschrieben wird, wie einer den ich erst vor kurzem selbst erlebt hatte - bekommt man das Gefühl, den Charakteren und damit dem Buch, näher zu sein, da man ähnliche Erfahrungen gemacht hat.
Durch die interessante Ort- und Figurenauswahl, machte "Flugangst 7A" gleich von Anfang an einen sehr guten Eindruck auf mich, und ich konnte mich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen.
 
 
Aufbau des Spannungsbogens
 
Ich muss sagen, dass Fitzek es mit diesem Buch geschafft hat, bei mir den hochgelobten "Fitzek-Effekt" zu erzielen: nämlich, dass man sein Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann, aufgrund der enormen Spannung.
Ich war wirklich von Anfang an wie in das Buch hineingesogen. Nachdem es bei mir angekommen ist, setzte ich mich kurz hin, um ein bisschen reinzulesen, und war da schon nach kürzester Zeit so vom Buch gefesselt, dass ich vollkommen zusammenzuckte, als es an der Tür klingelte, da mich dies so abrupt wieder aus dem Buch herausriss.
Ich fand es sehr beeindruckend, wie viele Fäden Fitzek in diesem Thriller gesponnen hat, und schließlich zusammenlaufen ließ. Man merkte während des Lesens definitiv, dass er sich sehr viele Gedanken zu "Flugangst 7A" gemacht haben muss, was mir als Leser sehr gefiel, da ich stets das Gefühl hatte, ein aufwendiges Buch zu lesen.
Während des Lesens machte mich das Buch sehr nervös und angespannt, da ich beim Lesen den Figuren und ihren Dilemmata so extrem nah schien, und mich alles auch mit fertig machte, was die Figuren durchleiden mussten. Dadurch war dies definitiv kein Wohlfühllesen, weshalb ich nicht ständig (Psycho)Thriller lesen könnte, da mich das sonst zu sehr belasten würde.
Ab der Hälfte des Buches las ich es dann in einem Stück durch. Ich las es bis spät in die Nacht hinein, da ich einfach nicht aufhören konnte und wollte. Ich musste wissen, wie es weiterging, wie sich alles auflösen würde, und wie es schließlich enden würde. Am nächsten Tag war ich dann zwar totmüde, aber es hat sich definitv gelohnt, da ich schon lange keine so intensive Leseerfahrung mehr hatte, bei der ich ein Buch wirklich überhaupt nicht weglegen konnte.
 
 

Kritik

Was ich das ganze Buch hindurch etwas befremdlich fand, waren die Ausrufe der Personen, da ich bisher noch nie jemanden "Schaaa!" habe rufen hören.
 
Einige Enthüllungen hätte ich mir anders gewünscht, und auch das Ende konnte für mich nicht wirklich einen krönenden Abschluss zum wahnsinnigen Spannungsbogen bieten. Des Weiteren blieben bei mir noch einige offene Fragen zurück, die ich gerne geklärt bekommen hätte.
(Genauere Ausführungen hierzu gibt es weiter unten in der Rezension, im Spoiler Bereich)
 
 



FAZIT

Der Spannungsbogen bestand in diesem Buch fast von der ersten Seite an und war so extrem, dass ich wirklich am Buch klebte und es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die zweite Hälfte des Buches las ich in einem Stück durch, da ich nicht mehr aufhören konnte und wollte, und einfach wissen musste, wie es weiter- und ausgeht. Das Buch hat mir ein paar Nächte geraubt, jedoch hatte ich es innerhalb von drei Tagen beendet. Es verlangte stets meine komplette Aufmerksamkeit und Konzentration.
Dennoch konnte mich das Ende nicht 100%ig begeistern und ließ noch einige Unklarheiten offen. Da hätte ich mir einen krönenderen Abschluss und mehr Klarheit gewünscht. Jedoch gefallen mir Fitzeks Danksagungen immer sehr, da sie wie ein Balsam für die Seele nach einem Thriller sind. So wird man sanft wieder zurück in die Realität zurückgeführt.
Ich finde, dass dieses Buch sich bestens als Vorlage für einen Kinofilm eignen würde. Während des Lesens konnte ich mir alles so lebhaft vorstellen, dass ich ohnehin schon das Gefühl habe, es als Film gesehen zu haben. Es erinnerte mich während des Lesens an den Film "Flightplan" mit Jodie Foster, da dies der einzige andere Thriller ist, den ich kenne, der auch in einem Flugzeug spielt und sehr gut ist.
 
 



MEINE BEWERTUNG

Ich verleihe diesem Buch 4,5 von 5 Sternen.

(weiterscrollen, um zum Spoiler Bereich zu kommen!)
 
 
 
   


 

Nicht weiterlesen wenn ihr das Buch noch nicht gelesen habt!

 
 
 
 
 

SPOILER BEREICH

leichte Spoiler (verraten nichts ausschlaggebendes zum Handlungsverlauf)
 
Da man bei einem Psychothriller meiner Meinung nach am besten vorher so gut wie gar nichts weiß, habe ich versucht, so wenig wie möglich in meiner eigentlichen Rezension zu verraten, und werde einiges, was für manche vielleicht kein Spoiler ist, erst hier besprechen.
 
Wie ich oben des Öfteren erwähnt habe, mochte ich es, dass der Thriller zu großen Teilen in einem Flugzeug spielt, da sich die meisten Menschen ein Bild davon vorstellen können, oder selbst schonmal in einem waren. Jedoch wurde dieser positive Aspekt der Identifikation für mich etwas dadurch kaputt gemacht, dass Mats oft hoch in die Suite des Flugzeugs ging, und sich ein großer Teil des Buches dort oben abspielte. Denn ich kann mir so einen Bereich nicht wirklich in einem Flugzeug vorstellen, weshalb das immer etwas fiktiv für mich wirkte.
 
Die Idee, den Johnny Depp Synchronsprecher einzubauen fand ich sehr kreativ und gelungen, da man sich dadurch tatächlich vorstellen kann, wie die Stimme klingt und sich auch gut ausmalen kann, wie seltsam diese Anrufe für einen selbst wären.
 
 
mittlere Spoiler (nehmen einiges zum Handlungsverlauf vorweg)
 
Dieses Buch hat in mir so einen Männerhass ausgelöst, da so fürchterliche Männer in diesem Buch gleich zu Beginn eine Rolle spielen. Neles Exfreunds Psychoterror hat mich so schockiert und mich hoffen lassen, dass es solche Männer nicht in meiner Umgebung gibt. Nele tat mir fürchterlich leid, jedoch bewunderte ich ihre Stärke während des ganzen Buches um so mehr.
 
"Flugangst 7A" hat mir ziemlich die Kuhmilch vermiest. Mir war zwar auch vor dem Lesen des Buches schon bewusst, dass es gute Gründe gibt, warum viele keine Milch trinken, die nicht laktoseintolerant sind, jedoch führte dieses Buch bei mir zu einer Art Erleuchtung.
Als Kind lernt man, dass Schafe Wolle , Hühner Eier, und Kühe Milch geben. Das wird irgendwie so als Fakt dahingestellt. Doch dass Kühe, wie Menschen auch, schwanger werden müssen, um Milch zu produzieren, und dass die Kuhmilch, die wir trinken, eigentlich die Stillmilch ist, war mir einfach nicht so bewusst wie es glaube ich vielen Menschen nicht ist. Dass wir Menschen den Kälbern die Milch ihrer Mütter wegtrinken, fand ich zutiefst schockierend. Und der Fakt, dass das für mich schockierend war, ist nochmal schockierender, da man das eigentlich wissen sollte. Der Satz in "Flugangst 7A", dass Menschen die einzigen Säugetiere sind, die als Erwachsene noch Milch trinken, hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Ich finde es sehr gut, dass Fitzek seine Bekanntheit dafür benutzt, seinen Lesern auch etwas "beizubringen", auch wenn er es durch die Figur des Psychopathen tut.
 
Am interessantesten fand ich den Handlungsstrang zwischen Mats und Kaja. Die miese Art auf die er sie zurück in den Abgrund führte, war perfide und dennoch äußerst interessant zu lesen. (Was eigentlich scheußlich ist, denn warum fasziniert es einen, so etwas zu lesen?) 
 
 
 
schwere Spoiler (nehmen Auflösungen, Plottwists vorweg - machen Lesen des Thrillers kaputt)
 
Ich muss sagen, dass ich in alle Fallen von Fitzek getappt bin. Ich habe tatsächlich geglaubt, dass Feli diejenige ist, die "Verrecke!" zu Nele ruft, obwohl ich es in dem Moment, als ich es gelesen habe, etwas komisch fand, dass Feli wirklich derart böse sein soll. Dementsprechend hatte ich auch nicht den Verdacht, dass sich hinter Livio mehr versteckt. Da weiß ich nicht, ob man auf solche Sachen "geschult" wird, wenn man mehrere Thriller, oder eher mehrere Fitzeks, gelesen hat. Allerdings ist es ja auch ganz "schön", wenn der Autor es schafft, einen als Leser auf falsche Fährten zu führen.
 
Die Auflösung, dass Salina Amelie ist, und hinter dem ganzen steckt, fand ich so naja. Ich hätte mir da mehr gewünscht, und fand es auch nicht so toll, dass Kaja zur Hälfte mit unter der Decke steckte. Das machte das ständig angepriesene "Zünden einer psychischen Bombe" etwas zunichte, auch wenn es im Endeffekt dann trotzdem dazu kam.
 
Mats Endzustand ist sehr traurig und ich fand es sehr schade, dass es für ihn so enden musste. Außerdem verwirrte mich Mats Ende auf verschiedene Weisen. Denn was einen regelrechten "Mindfuck" bei mir auslöste, war, dass der Doktor Mats erzählte, sie hätten ihm im Krankenhaus mit Flugzeuggeräuschen, Flugzeugwackeln und dem Parfüm seiner Frau dazu gebracht, sich wieder an alles zu erinnern. Und Mats zog daraus den Schluss, dass das der Grund war, warum er seine Frau im Flugzeug gesehen hatte, und dass der schlafende Mann am Anfang auf seinem Sitz in Wirklichkeit er selbst in Trance gewesen war. Und ich verstehe das einfach absolut nicht. Also falls mir da jemand, der das Buch auch gelesen hat, weiterhelfen kann, wäre ich sehr dankbar! Denn für einen Moment dachte ich panisch, dass das ganze Buch in Trance stattgefunden hatte, und nichts real gewesen war. Aber dann tauchte ja Klopstock auf und sagte, dass seine Frau gestorben ist, also haben die Ereignisse im Flugzeug ja stattgefunden... nur verstehe ich dann nicht das mit dem schlafenden Mann und dem Parfüm seiner Frau. Die einzige Erklärung wäre dann, dass alle Mats Kapitel quasi seine Trance Erinnerungen an die eigentlichen Ereignisse sind? Ich weiß nicht so genau was ich davon halten soll..
Und auch, dass Mats am Ende, als er wahrscheinlich stirbt, wieder in der Suite des Flugzeugs ist, fand ich sehr seltsam. Denn mit der Suite dürften doch für ihn keinerlei positive Erinnerungen verknüpft sein, dass er sich dort am Ende seines Lebens wieder aufhalten möchte?
Falls jemand für euch in diesen Szenen mehr Sinn gesehen hat, würde ich mich freuen, wenn ihr mich darin einweihen könntet.
 
 

Schreibt mir gerne hier, oder bei Instagram (@isleepnaked), wie ihr die Auflösungen und Plottwists, etc. fandet.

 

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