Rezension zu WENN MÄNNER MIR DIE WELT ERKLÄREN von Rebecca Solnit, btb Verlag

 



 
 

FAKTEN ZUM BUCH

 
Titel: Wenn Männer mir die Welt erklären
Englischer Titel: Men Explain Things To Me
Autor: Rebecca Solnit
Verlag: btb
Preis: 9,99€
Seitenzahl: 164
Erscheinungsdatum: Februar 2017
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Buchart: Taschenbuch
Genre: Feminismus
Rezensionsexemplar? Ja. Dieses Buch wurde mir vom btb Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zugeschickt. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich an dieser Stelle. :)
Meine Meinung bleibt selbstverständlich meine eigene.
 
 
 

INHALTSANGABE

Ein Mann, der mit seinem Wissen prahlt, in der Annahme, dass seine Gesprächspartnerin ohnehin keine Ahnung hat - jede Frau hat diese Situation schon einmal erlebt. Rebecca Solnit untersucht die Mechanismen von Sexismus. Sie deckt Missstände auf, die meist gar nicht als solche erkannt werden, weil Übergriffe auf Frauen akzeptiert sind, als normal gelten. Sie schreibt über die Kernfamilie als Institution genauso wie über Gewalt gegen Frauen, französische Sex-Skandale, Virginia Woolf oder postkoloniale Machtverhältnisse. Leidenschaftlich, präzise und mit einem radikal neuen Blick zeigt Rebecca Solnit auf, was längst noch nicht selbstverständlich ist: Für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gilt es, die Stimme zu erheben.
 
 
 

INHALTSVERZEICHNIS

   


 
 

WORUM GEHT ES?

Dieses Buch beinhaltet insgesamt sieben Essays von Rebecca Solnit, die alle im nähesten und weitesten Sinne mit Feminismus zu tun haben. Vorrangig geht es um die noch immer vorherrschenden Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen, jedoch beinhaltet das Buch auch einen Essay der sich detaillert mit der bekannten feministischen Autorin Virginia Woolf auseinandersetzt. Das Buch beleuchtet neben Frauenrechten auch Themen wie Rassismus und Homophobie und zeigt auf, wie oft dies alles mit Sexismus zusammenspielt.
 
 
 
 

MEINE MEINUNG

 
Zu Beginn des Buches fiel es mir etwas schwer in den Schreibstil hineinzukommen, da die englischen Satzstrukturen nicht besonders gut eingedeutscht worden waren. Die Sätze waren extrem verschachtelt, was sich im Englischen sicher sehr viel angenehmer lesen lässt als im Deutschen.
Jedoch dauerte es nicht lange, bis ich mich daran gewöhnt hatte und das Buch von da an sehr flüssig durchlesen konnte.
 
Ich fand es toll, dass das Buch von Anfang an auf den Punkt kommt und direkt über das schreibt, was man sich vom Buchtitel auch erwartet. Es ist durchgehend klar feministisch und redet nie lange um den heißen Brei herum sondern kommt stets direkt zum Punkt. Daher kommt auch die Kürze des Buches, die allem was gesagt wird, noch mehr Ausdruck verleiht.
 
Die Autorin ist in ihren Texten stets extrem direkt und stößt einen damit einige Male vor den Kopf, was ich jedoch als positiv und wichtig bei einem feministischen Buch empfinde. Ich will davon wachgerüttelt werden, will davon konfrontiert und provoziert werden, damit es etwas in mir bewegt und verändert. Auch wenn sich dies beim Lesen oftmals nicht angenehm anfühlt, da die Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen nunmal grausam sind, halte ich es dennoch für wichtig, dass man sich damit auseinandersetzt.
 
Das zweite Kapitel "Der längste Krieg" war unfassbar aufwühlend und schwer zu lesen. Es fiel mir extrem schwer, Männer nicht ausnahmslos zu hassen, nachdem ich dieses Kapitel beendet hatte. Es schürt einfach einen enormen Männerhass, wenn man von all den abscheulichen Gewalttaten liest, die Männer an Frauen verübt haben, nur weil diese sich den Männern nicht beugen wollten. Und obwohl die Autorin sich das ganze Buch hindurch stets bemüht, nie zu verallgemeinern und Männer nie komplett verurteilt, machen es einem all die schrecklichen Fakten und Statistiken doch ungemein schwer, dies nicht zu tun.
Dieses Kapitel hat mich so sehr mitgenommen, dass ich es nicht am Stück durchlesen konnte, und das Buch immer wieder beiseite legen musste, um das zu verdauen, was ich da gerade an Gräueltaten gelesen habe. Die Masse an Ungerechtigkeiten und Grausamkeit gegenüber Frauen hat mich vollkommen erschlagen, bedrückt und so sehr aufgewühlt, dass ich an einigen Stellen vor Entsetzen und Schock weinen musste.
Obwohl ich mich selbst intensiv mit Frauenrechten befasse und daher für mich die enormen, noch immer vorherrschenden Gewalttaten an Frauen und Ungerechtigkeiten, eigentlich nichts neues sind, war es dennoch einfach furchtbar, all das innerhalb weniger Seiten so drastisch vor Augen geführt zu bekommen.
 
Nach diesem Kapitel wurde es wieder etwas "angenehmer" das Buch zu lesen und obwohl es mich immernoch aufwühlte, war es nach dem zweiten Kapitel hauptsächlich äußerst interessant zu lesen. Es war ein Buch das ich aufgrund der Kürze nach wenigen Tagen beendet hatte, welches mir aber in dieser Zeit enorm präsent im Kopf blieb und auch nachträglich noch Eindruck und Abdruck hinterlassen hat. Es hat einen großen Diskussionsbedarf bei mir angeregt und mir die Wichtigkeit des Feminismus nur nochmals sehr direkt vor Augen geführt.
 
Ich finde es sehr gut, dass auch die gleichgeschlechtliche Ehe in dem Buch ihre Erwähnung und Behandlung findet. Die Perspektive, die die Autorin darauf einnimmt -oder besser gesagt vorschlägt-, empfinde ich als extrem interessant und einleuchtend, obwohl ich sie so vorher noch nirgendwo gelesen habe.
Es ist meiner Meinung nach wichtig, in einem feministischen Buch nicht nur über Frauenrechte zu sprechen, sondern auf Intersektionalität (=Überschneidungen von Diskriminierungsformen) aufmerksam zu machen und daher auch Rassismus und Homophobie mit einzubeziehen und zu zeigen, wie diese oftmals mit Sexismus einhergehen und/oder zusammenhängen. Denn oftmals liegt das alles recht nahe beieinander und es bringt absolut nichts, andere Diskriminierungsformen auszuschließen und sich nur auf eine zu konzentrieren.
 
Das sechste und vorletzte Kapitel "Woolfs Dunkelheit. Das Unerklärliche bejahen" beschäftigt sich, wie der Titel schon andeutet, mit der berühmten feministischen Autorin Virginia Woolf und analysiert diese recht ausführlich. Dieses Kapitel war zwar, wie das ganze Buch, interessant und bringt einem als Leser Virginia Woolf näher, jedoch passte es meiner Meinung nach nicht so wirklich zum Rest des Buches. Dafür war es zu literarisch, zu literaturanalysierend und deshalb recht schwer greifbar, was stark im Kontrast zum Rest des Buches steht, welcher eben äußerst direkt und greifbar ist. Es las sich recht zäh, da es mir vom Inhalt her so weit weg erschien, während der Rest des Buches so brutal realitätsnah, direkt und "wach" war.
 
Das letzte Kapitel rundete das ganze Buch sehr gut ab und griff nochmals einige Gedanken der vorherigen Essays auf und fand einen hoffnungsvollen Schlusston. Dieses Kapitel ließ sich im Vergleich zum Vorangegangenen auch wieder sehr schnell und flüssig durchlesen.
Das Buch endete damit wieder deutlich und direkt feministisch zu sein und den Feminismus von einigen Seiten zu beleuchten, was mir das ganze Buch hindurch schon sehr zugesagt hatte.
 
 
 

MEIN FAZIT

"Wenn Männer mir die Welt erklären" beinhaltet sehr wichtige Aussagen und hat eine sehr optimistische feministische Grundeinstellung, die Frauen sehr ermutigt weiter für ihre Rechte zu kämpfen, und Männer nie nur eindimensional als Gegner darstellt und diese auch zu keinem Zeitpunkt verallgemeinert. Es ist daher sowohl als Lektüre für Frauen als auch für Männer geeignet und ist meiner Meinung nach in der Lage, jeden der offen dafür ist, näher an den Feminismus und dessen Grundelemente und -probleme heranzuführen.
Das Buch wühlte mich definitv auf, da mir der Feminismus so unfassbar wichtig ist und mich das Leid von Frauen, welches hier sehr direkt dargestellt wird, extrem belastet.
Es lässt sich rech schnell durchlesen, da es klein und dünn ist und sich nie besonders viel Text auf einer Seite befindet.
Der Inhalt des Buches ist stellenweise unglaublich grausam, und es ist schrecklich, dass es sich dabei um Realität und nicht Fiktion handelt. Das Buch machte es mir stellenweise wirklich extrem schwer, Männer nicht abgrundtief zu hassen. Denn obwohl die Autorin nie verallgemeinert und dies auch stets betont, ist es einfach fürchterlich, welche grauenhaften Gewalttaten noch immer in solch großer Anzahl von Männern gegenüber Frauen verübt werden, nur weil diese sich den Männern nicht unterwerfen.
Das Buch erhält nur deshalb keine volle Bewertung von mir, da mir das oben erwähnte Kapitel über Virginia Woolf zu zäh war, was in einem Buch von dieser Kürze doch viel ausmacht.
 
 
 
 
 
 

MEINE BEWERTUNG

Ich verleihe diesem Buch 4 von 5 Sternen.

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