Rezension zu MY LIFE ON THE ROAD von Gloria Steinem, btb Verlag

 
   
 

 
 

FAKTEN ZUM BUCH

 
Titel: My Life on the Road
Autor: Gloria Steinem
Verlag: btb
Preis: 16,99€
Seitenzahl: 371
Erscheinungsdatum: Juli 2016
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Buchart: broschiert
Genre: Autobiographisches Sachbuch zu Reisen und Aktivismus
Rezensionsexemplar? Ja. Dieses Buch wurde mir vom btb Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zugeschickt. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich an dieser Stelle. :)
Meine Meinung bleibt selbstverständlich meine eigene.
 
 
 
 

KLAPPENTEXT

   
 


 

WORUM GEHT ES?

 
In diesem Buch erzählt die Journalistin und Feministin Gloria Steinem von einigem, was sie in ihrem Leben erlebt, verändert und geprägt hat. Dazu zählt unter anderem die Ruhelosigkeit und der Drang nach dem Reisen ihres Vaters, welcher sich auf Gloria Steinem übertragen hat. Außerdem berichtet die Autorin auch einiges an Geschichten, die sie über die vielen Jahre hinweg auf Reisen, in Taxis oder auf Veranstaltungen mitbekommen oder erzählt bekommen hat. Des Weiteren widmet Gloria der Politik und den Cherokee in dem Buch einen großen Anteil, da sie selbst an einigen Wahlkämpfen teilgenommen hat und einige Kontakte zu Cherokee Aktivistinnen pflegt. (Cherokee = Stämme des heute noch existierenden Indianervolks in Nordamerika) Gloria Steinem lässt sehr viele verschiedenartige Personen und Probleme in diesem Buch zu Wort kommen und deckt damit ein großes Spektrum ab. Das Buch wird vorallem als wichtiges Werk für den Feminismus zelebriert.
 
 
 

WIE KAM ICH AUF DAS BUCH?

 
Emma Watson, die für mich ein Vorbild seit meiner Kindheit ist, leitet einen feministischen Buchclub auf Goodreads (Our Shared Self), in dem sie jeden Monat ein feministisches Buch gemeinsam mit allen Interessierten liest. Eins der ersten Bücher das in diesem Buchclub gelesen wurde, war My Life on the Road von Gloria Steinem, für welches Emma immer wieder sehr viel Werbung machte. Besonders in Erinnerung blieb mir, dass sie einmal sagte, wenn sie jeden Menschen auf der Welt dazu bringen könnte, nur ein Buch zu lesen, wäre es dieses.
Da ich selbst Feministin bin und mich sehr für alle damit verbundenen Themen interessiere, war ich sehr gespannt auf das Buch.
 
 
 

INHALTSANGABE

 
   
 


 

MEINE MEINUNG

 
Das Buch ist in sieben Kapitel aufgeteilt, welche jeweils mit einem Bild von der Autorin und einer für das Kapitel bedeutenden Person eingeleitet werden. Die Kapitel sind meistens um die 40 Seiten lang, was ich sehr angenehm fand, da es mich dazu brachte, immer recht viel am Stück zu lesen. Die Kapitel variieren sehr in ihren Themenfeldern, wobei jedoch stets der Feminismus in irgendeiner Form mitschwingt, da die Autorin, und viele ihrer Freunde, nunmal Feministen sind.
 
Es fiel mir am Anfang etwas schwer, in das Buch hineinzukommen, da es mit dem Kapitel über Gloria Steinems Vater beginnt, welches sehr persönlich ist. Da ich mich vor diesem Buch nicht mit Gloria Steinem beschäftigt habe, fühlte sich vieles Persönliche im Buch etwas befremdlich an, da es mir oft so vorkam, als würde ich ungebeten intime Details aus den Leben von Freunden und Bekannten von Gloria erfahren, welche das vielleicht gar nicht wollen würden.
Da ich an das Buch mit der Erwartungshaltung herangegangen bin, dass es sich hauptsächlich mit Feminismus und Sexismus beschäftigen würde, war ich im ersten Kapitel erstmal sehr verwirrt davon, dass es hauptsächlich um das Thema und die Wichtigkeit von Reisen ging. Dennoch versuchte ich mich darauf einzulassen, da mich Reisen auch sehr interessieren.
Ich muss sagen, dass dieser Fokus auf das Reisen nach dem ersten Kapitel sehr auf den Feminismus übergeht, jedoch nicht konstant durch das ganze Buch hinweg besteht.
Das Kapitel über Gloria Steinems Vater ist definitv berührend geschrieben und allein dadurch interessant, dass ihr Vater ein sehr ungewöhnlicher Mann war; jedoch kam es mir immer wieder zu persönlich vor, da ich ja eigentlich nichts über diese Frau wusste, und dann so intime Einblicke in ihr Leben bekam, bei denen ich oft nicht wusste, ob ich diese überhaupt wollte und ob mich diese überhaupt interessierten.
 
Einige Male kam mir beim Lesen der Gedanke, dass das Buch auf Englisch sehr wahrscheinlich besser ist, einfach dadurch, dass sehr viel Englisches ins Deutsche übersetzt wurde, was man lieber nicht hätte übersetzen sollen. So wirkt es mir an einigen Stellen viel zu eingedeutscht, was sich falsch anfühlte, da es nunmal nichts mit Deutschland zu tun hat. Es wurden einige Wörter und Namen übersetzt, die dem Buch etwas von seiner Authenzität für mich nahmen. Auch finde ich, dass einige englische Wörter eigentlich universell bekannt sind, weshalb man sie nicht übersetzen müsste, sondern sie einfach übernehmen sollte.
Außerdem hätte ich es schöner gefunden, wenn man das "you" zu einem Duzen statt zu einem Siezen übersetzt hätte. Siezen baut einfach immer eine Wand der Distanz zwischen dem Autor und dem Leser auf. Und dieses Buch ist generell eigentlich sehr leserfreundlich, vertraulich und intim geschrieben, weshalb das Siezen sich einfach fehl am Platz anfühlt.
 
 
Die folgenden Kapitel sprachen mich sehr viel mehr an als das erste, da sie sehr viel feministischer waren und dadurch für mich auch interessanter. Nach dem ersten Kapitel schlägt das Buch die Richtung ein, die ich von dem Buch erwartet habe und kann mich dadurch auch einige seitenlang sehr an sich fesseln. Ich konnte beim Lesen dieses Buches so einen gewaltigen Unterschied bei meinem Konzentrationsgrad und meinem Lesetempo im Zusammenhang mit den behandelten Themen im Buch feststellen. Man muss das Reisen eher so als Grundlage und Ausgangspunkt für den Feminismus bei Steinem ansehen. Diese Erkenntnis hat mir dabei geholfen, mich mehr auf das Buch einzulassen. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin schneller auf den Punkt (Feminismus) gekommen wäre, und auch länger auf dem Punkt geblieben wäre. Mir war da einfach viel zu viel eher Uninteressantes in dem Buch, wofür einiges unglaublich interessantes Platz machen musste, was ich schade fand.
 
Nach den ersten ca. 50 Seiten lässt sich das Buch wirklich sehr gut lesen und wird immer interessanter und wichtiger von den Themen her.
Das Buch zeigt sehr viele Ungerechtigkeiten gegenüber Minderheiten, vorallem Frauen gegenüber, auf, die mich sehr oft wirklich schockiert und aufgeregt haben. Einiges des Geschilderten hat mir definitv die Augen gegenüber Bereichen geöffnet, mit denen ich mich vorher noch nicht so sehr beschäftigt habe. Selbst wenn - oder vielleicht auch gerade wenn - man sich schon mit dem Feminismus beschäftigt hat, kann man von diesem Buch noch einiges mitnehmen und dazulernen.
Da in dem Buch so viele verschiedene Minderheiten aufgeführt werden, hilft es einem dabei, seinen Horizont zu erweitern und die Augen gegenüber Misständen weiter zu öffnen.
 
Sehr viele der beschriebenen Situationen, die vor Sexismus, Ungerechtigkeit und unverständlichem Verhalten nur so triefen, regen so zum entsetzten Kopfschütteln an und bekräftigen einem in der Wichtigkeit der Frauenbewegung immer wieder. Das Buch schafft es dennoch, nicht ins Negative zu verfallen, sondern stets dadurch positiv zu bleiben, dass es das bereits Erreichte in den Vordergrund stellt, statt den Problemen mehr Raum zu geben.
 
Gloria Steinem schreibt unerschrocken von ihren Schilderungen, auch wenn sich Steinem selbst eigentlich immer recht dezent in den Hintergrund rückt, um den Geschichten von anderen Personen die Bühne zu überlassen.
 
Manchmal hätte ich mir klarere Informationen darüber gewünscht, ob heute manche der speziell beschriebenen Ungerechtigkeiten noch immer so vorherrschen oder ob sich da schon etwas getan hat. In einigen Fällen klärte Steinem einen darüber auf - doch da viele der Geschichten noch vor dem Jahr 2000 stattfanden, war mir manchmal nicht klar, wie es inzwischen in den Bereichen aussieht.
 
Manche Geschichten in My Life on the Road sind so unfassbar ungeheuerlich, dass ich das Buch erstmal kurz weglegen musste um durchzuatmen, weil ich nicht begreifen konnte, dass so etwas wirklich passieren kann und es sich wahrscheinlich nichtmal um einen Einzelfall handelt.
 
 
Das fünfte "Politikkapitel" ließ sich recht schwerfällig lesen. Es ist auch das längste Kapitel und zog sich leider stellenweise sehr. Dagegen war es sehr interessant, wenn Steinem über aktuellere Politiker schrieb. Vorallem ihren Wahlkampf für Clinton und Obama fand ich äußerst interessant zu lesen. Doch dadurch dass Steinem inzwischen 83 Jahre alt ist, hat sie einige Politiker miterlebt und in diesem Buch verarbeitet. Das gab mir einen guten Einblick in die amerikanische Politik der vergangenen Jahre, welche ich im Prinzip schon sehr interessant finde. Nach den Informationen zu Steinems Beteiligung an Clintons Wahlkampf 2008 hätte mich auch sehr interessiert, in wie weit Steinem an Clintons Wahlkampf 2016 beteiligt war, und was sie darüber gedacht hat. Jedoch wurde das Buch in den USA schon 2015 veröffentlicht.
 
 
Die Autorin wirkte auf mich sehr beeindruckend, da sie so vielen einflussreichen Personen begegnet ist, auf die sie immer wieder selbst einen Einfluss hatte. Ihre Reichweite hat mich immer wieder sehr überrascht.
 
Einiges aus dem Buch ist mir definitv nachhaltig im Gedächtnis geblieben und regt mich immernoch zum Nachdenken, sowie zum Austausch mit anderen an. Das Buch fordert einen immer wieder allein durch das Lesen dazu auf, aus seinem eigenen Blickfeld herauszudenken.
 
 
 

FAZIT

 
Meine Einstellung zum Buch veränderte sich leider während des Lesens dreimal und glich somit einem Bogen: Es fing, durch die für mich zu persönliche Schilderung von Steinems Vater, eher unzufriedenstellend und befremdlich an. Ich kannte Gloria Steinem nicht und hatte das Gefühl, zu tief in das Leben von Personen einzudringen, die ich nicht kannte und die das vielleicht gar nicht gewollt hätten. In der Mitte des Buches konnte ich dagegen absolut nachvollziehen, warum das Buch so von Feministen gehyped wird, da ich es da selbst sehr interessant, informativ und wichtig fand. Leider empfand ich die letzten beiden Kapitel dann wieder als sehr zäh und schwerfällig zu lesen und sehnte währendessen das Ende des Buches herbei.
Das Buch ist extrem USA-lastig, weshalb man definitiv ein breitgefächertes Interesse für die USA mitbringen sollte, wenn man das Buch lesen möchte.
Immer wieder schreibt Steinem in dem Buch über verschiedene, für sie inspirierende Personen, und bei einigen kam bei mir immer wieder die Frage auf: "Interessiert mich diese Person wirklich so sehr, dass ich so detailliert über sie lesen möchte?", und meistens war die Antwort darauf nein. Vielmehr konnte ich den kurzen Anekdoten und kurzen Geschichten abgewinnen, welche Steinem immer wieder einfließen ließ. Im Mittelteil des Buches, den ich sehr gut fand, empfand ich das Buch als sehr informativ. Während dieser Seiten konnte ich auch nachvollziehen, warum es von manchen als "Must-Read für Frauen" betitelt wird.
Das Buch spricht nicht nur Probleme und Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen an, sondern geht darüber hinaus auch auf Themen wie Homosexualität, Transsexualität, Behinderungen und Missbrauch ein. Das Buch öffnet einem dadurch die Augen gegenüber Sachverhalten, vor denen man sie selbst als Feministin noch verschlossen hat.
Dennoch hätte ich mir den Feminismus noch viel stärker als Hauptthema gewünscht.
Manche Kapitel ziehen sich wirklich sehr, dadurch dass ich mich einfach nicht so sehr für das Beschriebene interessiere.  Und obwohl ich vieles davon als wichtig empfand, konnte ich dennoch nicht leugnen, dass mir meine Konzentration bei manchen Themen einfach schnell abhanden kam.
Leider waren dann im Endeffekt mehr Kapitel im Buch die mich nicht so ansprechen konnten. Dennoch bleibt einem das Buch nachträglich noch aufgrund einiger Stellen sehr im Kopf und ich bereue es nicht, es gelesen zu haben.
 
 
 
 

WEM KANN ICH DAS BUCH EMPFEHLEN?

All denjenigen, die sich schon mit Gloria Steinem auseinandergesetzt haben, und die sie mögen, kann ich das Buch empfehlen, da man wirklich viel persönliches über sie erfährt, und sie danach als Person ganz gut zu kennen scheint.
Allen USA-interessierten Feministen, die mal über die Probleme der Frauen hinausdenken möchten, kann ich das Buch empfehlen.
Wenn man sich für das Buch interessiert, kann ich jedoch empfehlen, sich vorher klar zu machen, dass es sehr autobiographisch ist und der Feminismus gar keinen so großen Teil des Buches ausmacht, wie man vielleicht erstmal denkt, wenn man es als Feminismus-Buch angeworben bekommt.
 
 
 
 
 
 

MEINE BEWERTUNG

 
Für mich teilte sich das Buch in einen negativen, positiven und wieder negativen Teil auf: So würde ich dem ersten Teil 2 Sterne geben, dem zweiten Teil 4 Sterne und dem letzten Teil 1 Stern.
Daher komme ich auf folgende Gesamtbewertung:
 
 

Ich verleihe diesem Buch 2,5 von 5 Sternen.

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