Rezension zu Nicht von Schlechten Müttern von Karoline Harthun, Kösel Verlag



 

FAKTEN ZUM BUCH


Titel: Nicht Von Schlechten Müttern
Autor: Karoline Harthun
Verlag: Kösel Verlag
Genre: Regenbogenfamilie, Teilbiographie
Seitenzahl: 204
Erscheinungsdatum: 2015
Erscheinungsland: Deutschland
Buchformat: Taschenbuch
Preis: 16,99 €
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Rezensionsexemplar?
Ja. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Kösel Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zugeschickt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.
Meine Meinung bleibt selbstverständlich meine eigene.




KLAPPENTEXT





WORUM GEHT ES?


In diesem Buch erzählt die Autorin Karoline Harthun von ihrem eigenen Weg vom ersten Aufkommen eines Kinderwunschs bis zum Familienleben in einer Regenbogenfamilie. Die Autorin lebt mit ihrer Frau und ihren gemeinsamen Töchtern zusammen und erzählt in diesem Weg hauptsächlich von der Verwirklichung ihres Kinderwunsches und den Problemen denen sie auf diesem Weg begegnet ist. Immer wieder tauchen im Verlauf des Buches auch weitere Informationen zum Thema Homosexualität und Familienplanung auf, sowie zur Rolle von gleichgeschlechtlichen Paaren (mit Kindern) in der Gesellschaft. Das Buch spielt in Berlin, wo die Autorin mit ihrer Familie auch wohnt.








AUCH INTERESSANT:


Wenn dich dieses Buch interessiert, könnte dich vielleicht auch das Buch "Zwei Papas und ein Baby" interessieren, in dem es ebenfalls um die Verwirklichung einer Regenbogenfamilie geht, diesmal jedoch aus der Sicht von einem schwulen Paar. Meine Rezension dazu findest du, wenn du hier klickst. Die beiden Bücher kontrastieren extrem miteinander was die Gefühlsbetontheit, sowohl auf die Intention der Paare, als auch auf den Schreibstil bezogen, angeht.



MEINE MEINUNG


POSITIVES


Direkt positiv aufgefallen sind mir das Cover und die Buchdünne. Das Cover hat mich direkt durch die Farbe und die Papiergirlande angesprochen, die ich als sehr einladend empfinde. Ich fand es extrem angenehm, dass das Buch nur aus 204 Seiten besteht, da man es dadurch einfach sehr schnell durchgelesen hat. Nicht nur die Buchdünne sondern auch der Aufbau des Buches trug dazu bei, dass ich das Buch wirklich sehr schnell durchgelesen hatte.

Ehe ich das Buch angefragt habe, habe ich mir schon das erste Kapitel in der Leseprobe online durchgelesen. Dies kann ich nur empfehlen, da ich dadurch gleich Lust auf das Buch bekommen habe. Generell haben mir dann auch beim Lesen die ersten Kapitel sehr gut gefallen, da sowohl auf die persönliche Geschichte der Autorin, als auch auf Allgemeineres der LGBTQ Szene eingegangen wurde.

Ich empfand das Buch als sehr informativ was das Thema Regenbogenfamilien angeht und hatte definitv das Gefühl, dass es mir die Augen geöffnet hat im Bezug auf die Möglichkeiten die ein lesbisches Paar beim Kinderkriegen hat. Das Buch zu lesen verändert das eigene Bewusstsein über Regenbogenfamilien ein Stück weit und auf jedenfall wird man wärmer mit dem Thema. "Nicht von schlechten Müttern" stellt den Prozess des Kinderkriegens für gleichgeschlechtliche Paare als sehr schwerfällig dar, was mir so vorher gar nicht bewusst war. Dadurch forderte es mich dazu auf, umzudenken und mich mehr mit dem Thema zu befassen.

Überrascht hat mich, dass die Autorin selbst teilweise extrem persönlich wurde und sehr dunkle Stunden von sich selbst preisgegeben hat. Das hat mich an manchen Stellen sehr geschockt, hat dem Buch aber mehr Tiefe gegeben.

Das Buch beinhaltet ein Kapitel über das Thema Geschlechterrollen, welches ich als sehr interessant empfand und für mich das Buch erweitert und reicher gemacht hat.



NEGATIVES


Obwohl das Buch ja sehr dünn ist, hatte ich teilweise das Gefühl, dass manches zu lang beschrieben wurde. Bestärkt wurde dieses Gefühl bei mir noch dadurch, da man ja als Leser weiß, wie lang manches schon für die Autorin zurückliegt, was es einem dann etwas unrealistisch erscheinen lässt, dass sie sich noch in solchem Detail an manche, eher unbedeutsame Situationen oder Gespräche erinnern kann. Konkret meine ich hierbei zum Beispiel dass in einem Kapitel eine ganze Seite dafür verwendet wurde um das lange Warten zu beschreiben. So etwas zieht in meinen Augen eine Geschichte nur unnötig in die Länge.


Was mir mit am meisten missfallen hat war die fehlende Präsenz der Frau der Autorin in diesem Buch. Im Nachwort äußert die Autorin sich zwar dazu, dass das Buch so von ihr selbst dominiert wurde, um die ihr nahstehenden Personen zu schützen, jedoch ändert das trotzdem nichts daran, dass mir ihre Frau sehr gefehlt hat. Ich hätte mir viel mehr Austausch zwischen den beiden Frauen gewünscht, viel mehr Diskussionen und Unterhaltungen oder auch nur mehr Informationen dazu, wie zum Beispiel entschieden wurde, wer von beiden das Kind austragen soll. Wenn ich mich in die Situation hineinversetze, stelle ich mir diese Entscheidung als sehr wichtig und schwer vor, weshalb mir eine Konversation dazu sehr gefehlt hat. Genrell scheint die Frau der Autorin keine wirkliche Stimme im Buch einzunehmen. Sie ist die meiste Zeit über im Hintergrund und scheint die Autorin zu manchen Handlungen zu begleiten oder aufzufordern, jedoch kam das für mich als Leser sehr seltsam rüber. Die Beziehung zwischen der Autorin und ihrer Frau wurde sehr unausbalanciert dargestellt. Es fühlte sich die ganze Zeit so an, als ob die Autorin das meiste im Alleingang bewältigt hat. Und obwohl sie sich am Ende dazu geäußert hat, was zeigt, dass ihr das selbst auch aufgefallen oder bewusst gewesen sein muss, ändert das ja nichts daran, dass es sich während des Lesens des Buches nicht gut anfühlt. Wenn man ein Buch über den Kinderwunsch und dessen Umsetzung eines homosexuellen Paares schreibt und auch damit andere Regenbogenfamilien erreichen will, sollte doch das Paar auch komplett miteingebunden sein.
Man wurde als Leser bei den Überlegungen und Diskussionen des Paares einfach vollkommen außen vor gelassen.

Des Weiteren fehlte mir während des Lesens mehr Emotionalität, um mich besser in das Thema hineinzufühlen. Die Bindung zwischen der Autorin und ihrer Frau war mir wie gesagt viel zu blass und zu wenig thematisiert und mit der Autorin selbst konnte ich auch nicht vollkommen sympathisieren da ich auch einige ihrer Handlungen überhaupt nicht nachvollziehen konnte.

Obwohl das Buch in Kapitel aufgeteilt ist, die das Grobthema dafür vorgeben, springt die Erzählung teilweise sehr in Zeit und Situation hin und her, was mich oftmals verwirrt hat. Da hätte ich mir eine flüssigere, chronologischere Erzählweise gewünscht. Es wirkte oft so, als ob der Autorin zu etwas noch etwas anderes eingefallen wäre, was sie dann da noch miteinbringen musste, obwohl es gar keine wirklich logische Verbindung gab. Das Buch fühlte sich durch diese sprunghaften Überleitungen oft etwas unruhig an.

Da das Kinderkriegen der Autorin und ihrer Frau ja schon etwas zurückliegt, erfährt man als Leser nicht, ob es inzwischen immernoch die gleichen Möglichkeiten und Wege gibt oder ob sich da etwas getan und verändert hat.



FAZIT


Das Buch konnte bei mir durch seine Kürze und seine Informationen zum Thema Regenbogenfamilie punkten. Es ließ sich sehr schnell durchlesen und versorgte mich mit einigen neuen Erkenntnissen zum genannten Thema. Jedoch konnte es mich emotional nicht packen und ließ mich in sofern eher kalt. Außerdem störte ich mich sehr daran, dass die Frau der Autorin eine so kleine Rolle in dem Buch zugedacht wurde, da bei mir dadurch einige Fragen offen blieben.
Ich kann das Buch dennoch empfehlen, wenn man sich für das Thema interessiert, da man es in jedem Fall schnell durchgelesen hat und etwas mitnehmen kann und es teilweise zum Nachdenken anregt. Jedoch würde ich die Erwartungen etwas senken und mich auf eine eher emotionslose Biographie einstellen, die einen nicht sonderlich bewegt sondern hauptsächlich Informationen liefert.




MEINE BEWERTUNG IN STERNEN


Ich verleihe diesem Buch 3 von 5 Sternen.

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