Rezension zu "Von Mr. Holmes zu Sherlock" von Mattias Boström, btb Verlag


 


FAKTEN ZUM BUCH


Titel: Von Mr. Holmes zu Sherlock
Autor: Mattias Boström
Verlag: btb Verlag
Genre: Sherlock Holmes / Arthur Conan Doyle Biographie-Roman
Seitenzahl: 558
Erscheinungsdatum: Januar 2016
Buchformat: Taschenbuch
Preis: 14,99€
Amazonlink: hier klicken
Rezensionsexemplar? Ja. Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom btb Verlag kostenlos als Rezensionsexemplar zugeschickt. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.
Meine Meinung bleibt selbstverständlich meine eigene.


Was kann man sich hinter dem Titel vorstellen?



Das erklärt der Autor in seinem Vorwort selbst sehr schön, wie ich finde:





Bei mir war es tatsächlich so, dass ich allein nach diesem tollen Vorwort schon wahnsinnige Lust auf das ganze Buch verspürt hatte und mich sehr auf das Kommende gefreut habe.
Es handelt sich bei "Von Mr. Holmes zu Sherlock" um einen spannend erzählten Roman über die Entstehung von Sherlock Holmes und seinen Weg zu dem Medienstar der er heute ist. Dies beginnt 1878 mit Arthur Conan Doyles Inspiration für die Figur des Sherlock Holmes und führt bis ins Jahr 2015, in dem der Roman endet. Auf den 550 Seiten über diese 137 Jahre taucht man als Leser tief in das Phänomen "Sherlock Holmes" ein und schlägt am Ende das Buch mit wahnsinnig mehr Wissen dazu zu.







MEINE MEINUNG



Buchgestaltung


Zuerst einmal möchte ich das Cover und die Coverinnenseiten des Buches hervorheben. Mir gefällt das Cover unglaublich gut mit den beiden Shilouetten des klassischen Sherlock Holmes Bildes und der Sherlock Interpretation von Benedict Cumberbatch.
Doch vorallem habe ich während des Lesens immer wieder zu den beiden Buchdeckelinnenseiten geblättert, da sich auf diesen wahnsinnig viele Bilder der im Buch erwähnten, wichtigen Personen befinden, und ich so immer ein klares Bild vor Augen hatte. Da während des gesamten Romanes unglaublich viele Figuren vorkommen, hat es mir immer sehr geholfen, durch die Bilder einen gewissen Überblick zu behalten.







Romangestaltung


Das Buch ist tatsächlich wie ein Roman aufgebaut, obwohl es sich ja eigentlich um eine Biographie über Sir Arthur Conan Doyle und über die weitere Entwicklung der Figur Sherlock Holmes nach Conan Doyles Tod handelt. Man liest also spannende Geschichten, die alle wirklich so passiert sind und lernt auch noch einiges als Sherlockianer dazu, was eine wirklich unterhaltsame und informative Mischung ergibt.
Es hat mich wirklich fasziniert, dass der Autor es geschafft hat, einen so guten Roman zu schreiben, in dem er quasi über andere sehr gute Romane schreibt.



Schreibstil und Recherchearbeit des Autors


Es handelt sich bei diesem Buch wahrlich nicht um einen gewöhnlichen Schreibstil.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch frustrierend-faszinierenden Schreibstil gelesen zu haben. Der Autor beginnt dabei sehr viele Kapitel mit einer erstmal komplett zufälligen und auf den ersten Blick uninteressanten Figur, bei der ich mich oft gefragt habe: "Was soll/bringt die denn jetzt?" Doch dann liest man weiter, und die Figur bekommt ihre Geschichte und im Endeffekt eine Verbindung zu Sherlock Holmes, und einen wichtigen weiteren Einfluss für das Phänomen Sherlock Holmes. Das hat der Autor so oft gemacht, und jedesmal war ich zuerst frustriert, weil ich dachte, dass ich gerade etwas unwichtiges lese, und am Ende fasziniert darüber, wie clever der Autor die Verbindung zu Sherlock Holmes eingesponnen hat. Dass das ja auch alles reale Personen und Geschichten waren, hat mich immer wieder sehr verblüfft.
So oft konnte mich dieser Schreibstil unglaublich fesseln, da das ganze so spannend geschrieben ist.

Ich konnte die intensive Leidenschaft des Autors für Sherlock Holmes buchstäblich durch jede Seite lesen und war eigentlich die ganzen 550 Seiten hindurch immer wieder erstaunt wie unglaublich viel Recherchearbeit in dieses Buch geflossen sein muss. Sehr oft fragte ich mich auch bei Sachen die die Figuren machten, wie der Autor das bitte wissen könnte. Doch wenn man sich die endlos langen Quellenangaben am Ende des Buches ansieht, dann wird einem die extreme Recherchearbeit nochmals bestätigt und vor Augen geführt.
Ich empfinde dafür wirklich große Hochachtung für den Autor und den Aufwand, der spürbar mit sehr viel Liebe, in dieses Werk gesteckt wurde.



Inhaltliches und die Lust auf Sherlock Holmes


Ich habe definitv extrem viel neues Wissen über das Sherlock Holmes Universum durch das Buch erlangt, und vorallem wurde auch meine Lust, mehr über die Ursprünge von Sherlock Holmes herauszufinden, sehr gestärkt. Generell hatte ich während des Lesens sehr Lust, sofort die ganzen originalen Sherlock Holmes Geschichten zu lesen, und wiederzulesen und zu analysieren, etc.

Auch fande ich es interessant zu lesen, welche anderen berühmten Schriftsteller zur gleichen Zeit wie Conan Doyle gelebt hatten, und welche er sogar gekannt und gemocht hatte.

Durch den fesselnden Schreibstil entstaubt der Autor die Vergangenheit extrem, und schafft Zugang zu auf den ersten Blick Uninteressanten, da er die kleinen, interessanten Details hervorhebt.







Wie viel zur BBC Sherlock Serie kommt im Buch vor?


Das erste Kapitel, was sich sogleich mit Mark Gatiss und Steven Moffat (den Erschaffern der BBC Sherlock Serie) beschäftigt, konnte mich natürlich sofort packen und ich war sehr erstaunt, wie unglaublich nahe das Buch an der Serie dran ist, da ich erst dachte, dass Benedict Cumberbatchs Shilouette auf dem Cover eher gut für die Promotion des Buches war, und mehr nicht.
Jedoch beginnt der Roman nach diesem kurzen, BBC Sherlock-Fans-lockenden Anfang, erstmal in 1878 und mit dem jungen Arthur Conan Doyle und damit, wie er die Inspiration für die Figur des Sherlock Holmes gefunden hat. Es dauert jedoch tatsächlich über 500 Seiten bis sich das Buch dann wieder mit der BBC Sherlock Serie beschäftigt. Daher beschränken sich die Seiten, in denen es um die beliebte Serie geht wohl insgesamt nichtmal auf 50 Seiten, was ich schade fande.
Wenn ihr also zu dem Buch greift, solltet ihr eure Erwartungen was das Erwähnen der BBC Sherlock Serie betrifft doch ziemlich senken. Im Endeffekt beschäftigt sich das Buch doch zu 90% mit "Mr. Holmes" und sehr gering mit "Sherlock".
Das stellte für mich doch einen Sternenabzug dar, da ich schon finde, dass man als BBC Sherlock Fan von dem Buch geteasert wird und dann nicht genug dafür bekommt.


Länge des Buches und Unwichtiges


Auch wenn mir wirklich nie während des Lesens langweilig geworden ist, hatte das Buch doch einige Längen, die ich gerne etwas kompakter gehabt hätte.
Vorallem der lange Teil nach dem Tod von Arthur Conan Doyle, der sich mit dem weiteren Umgang des Erbes und der weiteren Sherlock Holmes Verbreitung durch Conan Doyles Söhne beschäftigt, war teilweise eher anstrengend zu lesen. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Handlung während dieser Zeit, welche ungefähr in der Mitte des Buches erzählt wird, nicht wirklich vorankommt. Dadurch stockte auch mein Lesefluss etwas, und ich hing ziemlich lange an dem Buch. (insgesamt ein Monat)
Man hätte hierbei vieles weglassen können, was am Ende ohnehin zu nichts geführt hatte. Ebenso nahm der Autor in dem Teil meiner Meinung nach auch einfach zu viele eigentlich unwichtige Figuren und Details mit rein. Hätte er diese weggelassen, wäre das Buch in dem Teil nicht so abgesackt und er hätte vielleicht mehr Seiten auf die 2000/2010er Jahre verwenden können.

Auch hierbei wendete der Autor wieder sehr oft die oben erwähnte Schreibtechnik an, welche jedoch in dem Teil bei mir immer öfters zur Frustration als zur Faszinierung führte. Ich hoffte, dass die Handlung endlich voranschreiten würde und näher in die nahe Vergangenheit käme. Jedoch griff der Autor stattdessen sehr oft nochmal weiter zurück in die Vorvergangenheit der gerade beschriebenen, statt mal zügiger voranzukommen.

Es wurde, wie gesagt, nie langweilig, aber doch stellenweise zu lang und ausführlich.

 



Die letzten 50 Seiten: Zu Lebzeiten des Autors


Die letzten 50 Seiten befinden sich in der Lebzeit des Autors, weshalb der Schreibstil des Buches plötzlich umspringt, und einen Ich Erzähler freigibt. Ebenso ändert sich die Wortwahl, die sehr viel subjektiver und leicht umgangssprachlich ist. Ich war mir erst nicht sicher, was ich davon halten sollte, da ich es weder als besonders toll noch als unbedingt schlecht empfand.
Im Rückblick finde ich es dennoch passend, dass der Autor, auch seine eigene Sherlock Holmes Geschichte beleuchtet hat.

Leider wurde in den letzten 50 Seiten nochmal sehr viel für mich Unwichtiges erwähnt, während über die Guy Ritchie Filme mit Robert Downey Jr. und Jude Law meiner Meinung nach viel mehr hätte geschrieben werden können. Ebenso über die BBC Serie Sherlock, wie oben erwähnt.

Dafür hat es mir jedoch sehr gut gefallen, dass die amerikanische Sherlock Holmes Serie "Elementary", mit Jonny Lee Miller als Sherlock Holmes, eine Erwähnung gefunden hat, da diese sonst sehr oft im Sherlock Holmes Universum ignoriert wird.








MEIN FAZIT


Ich kann dieses Buch allen Sherlock Holmes Fans wirklich nur brühend heiß ans Herz legen, da ich unglaublich viel Spaß mit dem Buch hatte und sehr viel dazu gelernt habe.
Es ist sowohl extrem informativ als auch sehr unterhaltsam, was vorallem dem spannenden und fesselnden Schreibstil zu verdanken ist. Die Schreibtechnik des Autors ist mit nichts zu vergleichen, was ich bisher gelesen habe, und allein deswegen sollte man das Buch schon lesen.
Man bekommt als Sherlock Fan wunderbar viel Wissen mitgeliefert und der Roman macht wahnsinnige Lust darauf, sich noch intensiver mit allem was Sherlock Holmes betrifft auseinanderzusetzen. Ich war bereits nach den ersten Seiten begeistert und durch die gesamten 550 Seiten hindurch nie gelangweilt.
Dadurch dass es durchwegs so gut geschrieben ist, las ich immer mehrere Kapitel am Stück und hatte sehr oft das klassische "Just one more chapter.." Problem.
Ich empfinde große Hochachtung dem Autor gegenüber, für die immense Recherchearbeit die in das Entstehen dieses Buches geflossen ist.




MEINE BEWERTUNG


Tatsächlich war ich mir bereits nach einigen Seiten und auch während der kompletten ersten Hälfte des Buches sicher, dass ich diesem Buch 5 von 5 Sternen geben würde, da ich einfach so wahnsinnig begeistert davon war.

Da ich aber doch enttäuscht darüber war, dass die neuesten Ereignisse zu Sherlock Holmes nur sehr oberflächlich angeschnitten wurden, und vorallem nicht mehr zur BBC Serie Sherlock kam, musste ich wieder einen Stern abziehen. Bekräftigt wurde das auch dadurch, dass ich extrem lange an dem Buch gelesen habe, nämlich einen ganzen Monat. Dies lag vorallem auch an der etwas langatmigen zweiten Hälfte des Buches, in welcher sich der Autor zu sehr im Unwesentlichen verlor, weshalb sich das ganze doch etwas zog.

Dennoch kann ich das Buch wirklich extrem empfehlen, wenn man sich für Sherlock Holmes und dessen Entstehung, Verbreitung und Geschichte interessiert.



BEWERTUNG IN STERNEN


Ich verleihe diesem Buch 4 von 5 Sternen.


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